Spätsaaten im Raps

24.08.2017
Spätsaaten im Raps

 

Verschiebt sich die Aussaat witterungsbedingt nach hinten, so gilt beim Raps der Spruch: Saatbett vor Saatzeit. Die Aussaatstärke von Raps ist für den kommenden Ertrag sehr wichtig und sollte nicht zu hoch sein. Eine ordnungsgemäße Bodenbearbeitung und eine qualitativ gute Aussaat legen die Basis für den Erfolg in der kommenden Ernte.Dabei sollten folgende Punkte besonders beachtet werden:

Saatbettvorbereitungen

 

Die Vorbereitung des Saatbetts ist bei witterungsbedingten Verspätungen der Aussaat überaus wichtig, dafür können Sie beim Raps auch die Saatzeit ein wenig hinauszögern. Damit sich der Raps bei einer Spätsaat gut vor dem Winter entwickeln kann, braucht er optimale Wachstumsbedingungen. Bei einem späten Saattermin des Rapses sind Strohmatten unbedingt zu vermeiden, damit sich die Wurzeln schnell und gut entwickeln können, und nicht punktuell unnötig Stickstoff für die Strohrotte verbraucht wird. Ein guter Wurzeltiefgang wird durch ein gut durchlüftetes, tief gelockertes Saatbett erreicht. Hierfür empfiehlt sich der Pflug oder – sofern Sie eine Mulchsaat durchführen – eine tiefe Bodenlockerung.  

 

 

Damit ein später Aussaattermin des Rapses keine Ertragsverluste mit sich bringt, sollten bei der Bodenbearbeitung keine Kompromisse gemacht werden. Ausfallraps ist unverzüglich zu beseitigen, die Kombination von mechanischen und chemischen Maßnahmen kann die Effektivität erhöhen und ggf. Zeit sparen. Die Bekämpfung des Ausfallrapses sollten Sie idealerweise spätestens bis zum 4-Blattstadium durchführen. Durch die zeitige Bekämpfung des Ausfallrapses kann oft auch ein Befall durch Kohlhernie minimiert werden.

Sortenwahl

Aus dem DEKALB-Sortiment empfehlen sich die Sorten Raps DK Expansion  und DK Eximus besonders gut für einen späten Saattermin. Beide Sorten bringen eine sehr gute Bestandesetablierung mit und sind sehr frohwüchsig. 

Eine Raps-Spätsaat sollte vor dem Winter mindestens das 8 Blattstadium erreicht haben, um eine gute Winterhärte der Kultur zu gewährleisten. Damit eine ungestörte Jugendentwicklung zusätzlich gefördert werden kann, sollten Hybriden verwendet werden, die gegen die gängigsten Rapskrankheiten wie z.B. Phoma lingam unempfindlich sind. Sowohl DK Expanison als auch DK Eximus  verfügen über die wichtige Rlm7-Phomaresistenz. Bei beiden Sorten Raps liegt die empfohlene Aussaatstärke unter Normalbedingungen bei 35 – 40 Kö/m².

 

Aussaatstärke von Raps

Je nach Saatbett und Standort sollte beim Raps die Aussaatstärke von 40 - 45 Kö/m² nicht überschritten werden. Ausfallraps erhöht die Bestandesdichte zusätzlich. Eine interessante Variante bei Spätsaaten kann der Einsatz des Clearfield®-Produktionssystems sein: Wird Clearfield®-Raps  ausgesät, kann lästiger Ausfallraps mit einem Clearfield® Herbizid im Nachauflauf problemlos beseitigt werden. 

 

Schädlingskontrolle und Stickstoffgabe

Um eine sichere Bestandesetablierung zu gewährleisten, sollte dem Raps zeitnah zum Aussaattermin 20-40 kg N/ha zur Verfügung gestellt werden. Dies hängt jedoch auch stark von der Witterung ab. Des Weiteren sollte auf Schädlinge wie Schnecken und den Rapserdfloh (Gelbschale) geachtet werden. Befallsgerechte Gegenmaßnahmen sollten ergriffen werden. Gegen den Befall mit Kohlfliegen sind ohne insektizide Schutzbeizen keine wirksamen Maßnahmen möglich, Spritzungen mit Pyrethroiden sind praktisch wirkungslos. Indirekte Möglichkeiten, den Befallsdruck von Kohlfliegen zu minimieren, sind:

 

1. Aussaat zum Ende des optimalen Saatfensters (der Raps-Saattermin ist regional unterschiedlich, ca. zwischen dem 25. 08. und dem 05. 09)
2. Kalkstickstoff kann den Larvenschlupf um ca. 50 % minimieren
3. Bor (ca. 1.000 g/ha) stabilisiert die Wurzelrinde und erschwert dem Erreger das Eindringen 

 

Kräftige Einzelpflanzen bieten einen zusätzlichen Schutz, da der Wurzelhals kräftiger ausgebildet wird als bei Beständen mit zu hoher Saatdichte. Die Aussaatmenge sollten Sie deshalb nicht übermäßig erhöhen, auch wenn sich die Saatzeit beim Raps witterungsbedingt nach hinten verschiebt.
Im Herbst kann Raps zu Etablierung kräftiger Bestände bis zum 1. Oktober mit Stickstoff gedüngt werden, wenn er bis zum 15. September bestellt wurde. Die Düngung ist bedarfsgerecht durchzuführen, insgesamt dürfen jedoch nicht mehr als 30 Kilogramm Ammoniumstickstoff oder 60 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar ausgebracht werden. Eine organische Düngung ist entsprechend der gesetzlichen Vorgaben anzurechnen. Sollte Kalkstickstoff zur Verbesserung der Feldhygiene ausgebracht werden (Reduzierung des Befalls mit Kohlhernie oder Bekämpfung der Maden der Kohlfliege), ist dieser ebenfalls anzurechnen.

 

Spätsaaten, die beim Raps durch die Witterung hervorgerufen werden, können also auch Vorteile haben: Auf Kohlhernie-infizierten Flächen kann das Befallsrisiko vermindert werden, da Infektionen im Raps in der Regel bei späteren Aussaatterminen allmählich abnehmen. Schäden, die im Raps durch Kohlfliegen verursacht werden, fallen bei späteren Saatterminen im Regelfall geringer aus oder können gänzlich vermieden werden. Gleiches gilt für Schäden, die durch den Rapserdfloh verursacht werden.