Ermutigende Ernteindikationen in Europa

01.01.1970
Alex Cadet, Manager Technische Entwicklung Europa
Alex Cadet, Manager Technische Entwicklung Europa

 

Winterraps war und ist in der Anbausaison 2016/2017 vielen Herausforderungen ausgesetzt gewesen. Dennoch versprechen die ersten Ergebnisse aus dem europäischen Versuchsnetzwerk „FACT“ (Streifenversuche unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen) eine meist zufriedenstellende bis gute Ernte.

 

Teilweise waren die Aussaat- und Auflaufbedingungen im Herbst alles andere als gut. Die Bodenfeuchtigkeit war oft gering, die Herbst- und Winterniederschläge blieben oft aus und je nach Region kam es durch Kahlfröste zu Schäden oder Flächenverlusten durch Auswinterung. Das Frühjahr erwies sich als sehr launisch: Anhaltende Trockenheit, einhergehend mit Spätfrösten in der Blüte, gaben erneut Anlass zur Besorgnis: War die Befruchtung erfolgreich, welche Auswirkung würde der Schotenabwurf haben und konnte die Füllung der verbleibenden Schoten einen weitgehend normalen Verlauf nehmen? Durch die Hitzewelle im späten Frühjahr und Mitte Juni wurden die Befürchtungen einer schlechten Ernte erneut genährt.

 

Alle diese Faktoren führten dazu, dass sich die Ernte in vielen Regionen Europas um 1–2 Wochen verzögerte. Die ersten Ernteergebnisse in den klassischen Frühernteregionen und in den Regionen, die durch die Sommertrockenheit geschädigt waren, zeigen zum Teil gute bis sehr gute Erntemengen und -qualitäten. Diese Ergebnisse steigern unseren Optimismus erneut, dass die Haupternte in den meisten Gebieten ebenfalls durchschnittliche bis gute, regional sogar sehr gute, Ernteergebnisse liefern wird.

 

In unserem französischen FACT Versuchsnetzwerk zeigen die ersten beernteten Versuche unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen Durchschnittserträge von 43 dt/ha, in der Spitze sogar über 50 dt/ha. Der Spitzenreiter unter den französischen Landwirten bisher konnte sogar über 57 dt/ha DK Exception dreschen.

 

Im östlichen Ungarn, wo der Raps besonders von der Trockenheit im Herbst und Spätfrost während der Blüte betroffen war, konnten die Ernteergebnisse in den meisten Fällen die Erwartungen übertreffen. Im Durchschnitt der früh geernteten Versuche wurden etwa 38 dt/ha gedroschen. Jedoch haben wir hohe Ertragsschwankungen in Abhängigkeit von den lokalen Bedingungen beobachten können. Aber auch hier gab es positive Überraschungen: Der ungarische Spitzenreiter hat von seiner ertragsstärksten DEKALB Winterrapshybride mehr als 62 dt/ha dreschen können.

 

Je weiter wir in Osteuropa nach Süden schauen, desto besser waren die Wachstumsbedingungen in dieser Anbausaison. Die Bestände präsentieren sich dort sehr gut und kräftig, die Schoten sind vollständig gefüllt. Unseren Schätzungen nach werden die durchschnittlichen Erträge unserer Winterrapshybriden wie z.B. DK Impression CL und DK Exception über 50 dt/ha liegen.

 

In Deutschland präsentieren sich DK Exlibris und DK Exception ebenfalls sehr stark. Besonders auffällig im positiven Sinn zeigt sich DK Expansion. Wir sind auf die Ernteergebnisse gespannt, rechnen aber mit einer hohen Variabilität in den verschiedenen Anbauregionen, die durch die sehr unterschiedlichen Witterungsverhältnisse der Anbausaison begründet werden können.

 

Dort, wo die Frühjahrstrockenheit besonders zugeschlagen hat, zeigen sich die Bestände sehr inhomogen und sehr kurz im Vergleich zu den Erwartungen. Jedoch erwarten wir auch bei solchen Beständen unter Berücksichtigung der Vegetationsbedingungen meist Erträge, die vor diesem Hintergrund als gut zu bezeichnen sind.

 

Als wir uns die Bestände in Nord- und Ostdeutschland im Mai angesehen haben, waren diese zum Teil stark durch den Spätfrost in Mitleidenschaft gezogen. Dieses konnten die DEKALB Winterrapshybriden jedoch durch die stärkere Ausbildung von Seitentrieben gut kompensieren.

 

Die Hitzewelle im Juni mit Temperaturen 35–40°C hat oftmals zu einem reduzierten Tausendkorngewicht geführt. Durch die Hitze wurde die Kornfüllung frühzeitig beendet oder zumindest beeinträchtigt. Jedoch konnten durch den Regen zum Ende der Blühphase eine erhöhte Anzahl von Schoten gebildet bzw. erhalten werden, die das geringe TKG kompensieren könnten.

 

Besonders in Zentral- und Osteuropa, aber auch in einigen Regionen Deutschlands kam es teilweise zu starken Sklerotiniainfektionen, wenn keine Blütenbehandlung durchgeführt wurde oder diese nicht zum optimalen Zeitpunkt gefallen ist. Sofern die Bestände nicht zusätzlich durch die Kleine Kohlfliege und/oder Bormangel geschädigt waren, brachen sie nicht zusammen. Wir sind stolz darauf, dass unsere Bestände trotz einem sichtbaren Sklerotiniabefall meist befriedigende bis gute Erträge zeigen. Da es bei Raps bisher keine speziellen Resistenzen gegen Sklerotinia gibt, fielen unsere Winterrapshybriden meist durch gesunde grüne Stängel auf. Wir denken, dass eine allgemein gute Pflanzengesundheit in Verbindung mit speziellen Resistenzen wie z.B. die Rlm7 Phomaresistenz sowie Hybriden mit einer allgemein guten Pflanzenvitalität den Befallsverlauf mit Sklerotinia und die daraus zu erwartenden Ertragsschäden deutlich vermindern kann.

 

Erneut konnten wir auch in der Saison 2016/2017 die Widerstandsfähigkeit von Sorten wie DK Expansion gegenüber Verticillium beobachten. Diese Widerstandsfähigkeit ist das Ergebnis unserer intensiven Züchtungstätigkeit: Der Raps muss trotz unterschiedlicher Stressoren, wie z.B. Krankheiten, hohe und sicher kalkulierbare Erträge liefern.

 

Kurz vor der Ernte wird eine den DEKALB Winterrapshybriden typische Eigenschaft besonders wichtig: Die Schotenplatzfestigkeit. Sie hält die Schote das entscheidende Quäntchen länger geschlossen, sodass die Ausfallverluste während der Abreife oder nach einem Unwetter kurz vor der Ernte im Vergleich zu nicht-platzfesten Hybriden im Mittel etwa 60% geringer ausfallen. Zudem ermöglicht es dem Landwirt, seine Rapsernte flexibel zu gestalten und beispielsweise erst den Weizen zu ernten, ohne befürchten zu müssen, den Rapsertrag durch Ausfallverluste deutlich zu vermindern.

 

Wir erwarten in den kommenden Tagen die ersten Ernteergebnisse aus Deutschland, die wir umgehend auf unserer Homepage veröffentlichen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

 

Ihr DEKALB Rapsteam

 

Die beschriebenen Beobachtungen und Schlussfolgerungen sowie Ernteergebnisse basieren auf dem Europäischen DEKALB Versuchsnetzwerk „FACT“ der Anbausaison 2016/2017. Sie wurden nach bestem Wissen zusammengestellt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse hängen jedoch auch von durch uns nicht beeinflussbaren Faktoren wie z. B. lokalen klimatischen Bedingungen ab, die erheblichen Schwankungen unterliegen. Wir können daher nicht dafür einstehen, dass die Ergebnisse und die daraus kalkulierten oder abgeleiteten Vor- oder Nachteile ohne weiteres wiederholbar sind. Eine Gewähr oder Haftung für das Zutreffen im Einzelfall kann durch die Monsanto Agrar Deutschland GmbH daher nicht übernommen werden.