Aktuelle Situation in den Rapsbeständen - Anstehende Maßnahmen 17.03.2016

Bundesweit ist der Raps meist gut bis sehr gut entwickelt aus (Bild 1). Trotz  teilweise strengen Frostes bis zu -17°C  und nur einer leichten Schneedecke sind Auswinterungsschäden regional begrenzt  (Südost Mecklenburg) zu verzeichnen. Laut den Wettervorhersagen soll es in den nächsten Tagen etwas wärmer und trocken bleiben, jedoch sinkt die Temperatur nachts noch teilweise unter den Gefrierpunkt. Diese hohen Tag- / Nachtschwankungen der Temperatur lassen die Rapspflanzen sprießen, können aber auch ein Problem darstellen.
 

Eine sehr gut entwickelte Rapspflanze nach dem Winter

Bild 1: Eine sehr gut entwickelte Rapspflanze nach dem Winter 2015/2016

 

Geht man vielerorts derzeit in die Rapsbestände so sieht man, dass die Pflanzen keine dunkelgrüne Färbung sondern eine violette (anthocyane) Verfärbung zeigen. Diese Situation ist nicht besorgniserregend, sondern eine typische Verfärbung für die aktuellen Witterungsbedingungen.

 

Vereinzelt auftretende violett verfärbte Bestände (anthocyanfarbene Blätter) können im Wesentlichen vier Gründe haben:

  1. Nährstoffmangel – Bedingt durch die lange Vegetation im Herbst liefern die Böden keine Nährstoffe mehr nach; Stickstoff, Schwefel und Phosphat sind im wesentlichen zu nennen. 
    Die violette Färbung der Blätter beginnt eher vom Ansatz der Blattstiele aus. 
  2. Physiologische Reaktion des Rapses auf die zurzeit vorherrschende Witterung. Sind z.B. beschattete Blätter nach wie vor sattgrün und nur der Sonne ausgesetzte Blätter verfärbt, ist dies eine physiologisch bedingte Reaktion der Pflanze: Die Lichtreaktion der Photosynthese läuft ab, da ausreichend Strahlung vorhanden ist. Die gebildeten Assimilate können jedoch in der Dunkelreaktion nicht weiter verarbeitet werden, da die Nachttemperaturen noch zu gering sind. Es kommt zu einem Assimilatestau.
  3. Frost führt ebenfalls zu einer violetten Färbung der Blätter. Diese beginnt jedoch im Gegensatz zu der Physiologischen Reaktion vom Blattrand aus. Stärker dem Frost ausgesetzte Blätter zeichnen zuerst.
  4. Staunässe ist besonders in Norddeutschland ein massives Problem gewesen. Der Januar war noch relativ trocken, aber im Februar gab es stellenweise bis zu 130 mm Niederschlag. Die Pflanzen hatten fast durchweg den ganzen Winter über „nasse Füsse“ und zeigen dies jetzt deutlich mit einer Stressreaktion (Anthocyanverfärbung).
     

Violett verfärbter Raps nach dem Winter

Bild 2: Violett verfärbter Raps nach dem Winter.
 

Herbst 2015

Die Rapssaison 2015/16 begann bundesweit nicht immer mit guten Wetter- und Saatbett-bedingungen. Die Aussaat erfolgte im Südwesten relativ termingerecht, im Nordosten verzögerte sich die Aussaat etwas. Während der Norden mit stellenweise zu viel Regen kämpfte, waren die Aussaatbedingungen im Süden zu trocken. Weitere Probleme zeigten sich ziemlich schnell nach der Aussaat. Besonders in der Mulchsaat traten deutliche Probleme in der Etablierung der Bestände auf. Hohe Getreidestrohmengen und eine zum Teil schlechte Strohverteilung sorgten teilweise für eine eingeschränkte Stickstoffverfügbarkeit (~ 3kg N/ha wird pro Tonne festgelegt).
 

Phoma

Aufgrund der sehr feucht warmen Witterung im Herbst kam der Erreger der Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) und es zeigten sich bereits im September besonders im Nordosten des Landes deutliche Blattsymptome (Bild 2). In der Regel sind diese Blattsymptome nicht weiter besorgniserregend, denn mit einsetzen des Winters sterben diese Blätter ab. Der Pilz hat dann aufgrund seines langsamen Wachstums, keine Chance mehr in den Stängel und Wurzelhals zu wachsen. Wenn jedoch der Winter sehr spät kommt, wie es auch in diesem Jahr der Fall war, dann hat der Pilz genügend Zeit um von der Infektionsstelle über die Blattstiele bis zum Wurzelhals zu gelangen. Diese Bedingungen lagen nun an vielen Standorten besonders in Norddeutschland vor und schaffen nun eine optimale Ausgangslage für einen starken Phoma lingam Befall im Frühjahr 2016.
 

Phoma Blattsymptome an einer Sorte ohne Rlm 7-Phomaresistenz

Bild 2: Phoma Blattsymptome an einer Sorte ohne Rlm 7-Phomaresistenz
 

Mit Phoma-resistenten Sorten von DEKALB, wie z.B. DK Eximus,  DK Exception und DK Expansion, sind Sie über die gesamte Vegetationsperiode gut gegen Phoma geschützt. Die RLM7 genannte Resistenz verhindert das Wachstum von Leptosphaeria maculans (= Phoma lingam), dem wesentlichen Schaderreger der Wurzelhals- und Stängelfäule, in der Rapspflanze. Nach einem Befall mit Leptosphaeria biglobosa, einem weiteren Erreger der Krankheit, kann es zwar auch in resistenten Sorten zu sichtbaren Symptomen kommen, diese sind aber deutlich schwächer ausgeprägt und haben einen wesentlich geringeren Einfluss auf den Gesundheitszustand der Pflanze.


Die aktuelle Winterwitterung zeigt wieder einmal wie hoch das Risiko ist, dass ein untypischer Temperaturverlauf das Infektionspotential beeinflussen kann. Die feucht-warmen Bedingungen im Herbst und der erst im Januar einsetzende „Winter“ haben eine Infektion dieses Jahr begünstigt.  Der Entwicklungsstand der Rapsbestände sollte genau kontrolliert werden, um die in den nächsten Tagen anstehenden Wachstumsregler-Maßnahmen gezielt durchführen zu können. Grundsätzlich gilt: Eine frühe Applikation bis ca. 20 cm Wuchshöhe kürzt nicht nur ein sondern fördert darüber hinaus die Ausbildung der Seitentriebe nachweislich. DEKALB-Genetik liefert für den Anbauer nicht nur ein hohes Ertragspotential sondern auch noch den entsprechenden Schutz (RLM7-Resistenz) gegenüber der bedeutendsten Rapskrankheit mit. Somit lässt sich das Schadrisiko minimieren und das Potential des jeweiligen Standortes optimal ausnutzen.


In den nächsten Tagen sind Temperaturen von über 10°C angesagt worden, sodass mit dem ersten Zuflug der Rapsstängelrüssler und/oder Kohltriebrüssler zu rechnen ist. Bitte stellen Sie, falls noch nicht erfolgt, die Gelbschalen mit Gitterabdeckung (zum Schutz der Bienen) auf! Nur so kann die richtige Insektizidstrategie gewählt werden und eine Resistenzbildung vermindert werden!

 

Schadschwellen im Raps

Abb. 1: Schadschwellen im Raps
 

Düngung

Die N-Startdüngung – sofern noch nicht gegeben – muss an den regionalen N-Min Werten, dem erwarteten Ertragsniveau und vor allen Dingen dem Entwicklungszustand des Rapses angepasst werden. Da die N-Min Werte in diesem Jahr deutlich schwanken, sollten unbedingt N-Min Proben oder regionale Referenzwerte herangezogen werden. Stellen Sie auch die Schwefelversorgung sicher. Die Schwefelgabe sollte etwa zwischen ¼ und 1/3 der verabreichten Stickstoffmenge liegen. Haben Sie einen normal entwickelten Bestand, sollten Sie ca. 100 kg N/ha und ca. 35 kg S/ha ausbringen.  Wir empfehlen, bereits in dieser Saison eine (Teil-) Parzelle nach den Vorgaben der novellierten Düngeverordnung zu führen (maximal 200 kg N/ha incl. N-Min bei einer Ertragserwartung von 40 dt/ha. Dieses Vorgehen verschafft Ihnen bereits in diesem Jahr einen Erfahrungsvorsprung und Sie können einer ggf. Notwendingen Anpassung Ihrer Düngestrategie in 2017 gelassener entgegen sehen.

 

Wachstumreglereinsatz

Bedingt durch die milden Herbsttemperaturen, die lange Vegetationsphase und die teilweise wassergesättigten Böden im Herbst, haben sich die Rapsbestände oberirdisch gut entwickelt. Die Wurzelentwicklung weist jedoch in einigen Teilen Deutschlands Defizite auf. Hinzu kommen mögliche Schäden des Wurzelwerks und vor allem der Pfahlwurzel durch Insektenbefall. Es gilt nun, den Raps möglichst früh zu „erziehen“, eine ausgeglichene Bestandesentwicklung sicherzustellen und das Lagerrisiko zu minimieren.

 
Hierfür kommen zwei Strategien in Frage:

  1. Einmalbehandlung:

Diese ist zu empfehlen, wenn der Raps eine knapp durchschnittliche Entwicklung vor dem Winter erreicht hat, die Bestandesdichte nicht zu hoch ist, die Herbstmaßnahme gut angesprochen hat und die Sorte eine durchschnittliche Wüchsigkeit im Frühjahr aufweist.

Ab etwa 25 cm Wuchshöhe des Rapses - BBCH31 erreicht, Raps reicht oben an einen Gummistiefel mittlerer Höhe heran,  kann bei geeigneter Folgewitterung (hohe Tag-/ Nachtschwankungen sollten vermieden werden) die Behandlung durchgeführt werden. Diese Strategie zielt im Wesentlichen auf die Einkürzung des Haupttriebes  und damit eine leicht verbesserte Standfestigkeit des Rapses ab.

  1. Splitting Behandlung

Sind die Bestände üppig entwickelt, hat die Sorte eine starke Wüchsigkeit im Frühjahr, ist mit hoher N-Nachlieferung  aus dem Boden zu rechnen, ist das Wurzelwerk durch die Herbstbedingungen zu schwach entwickelt und eignen sich die Standorte für Höchsterträge, empfehlen wir eine Splitting-Behandlung:

Sobald die Bestände durchgrünt sind und ca. 15 cm Wuchshöhe erreicht haben (Raps reicht oben an den Halbschuh heran), sollte die erste Teilgabe verabreicht werden. Mit dieser Maßnahme kann die Wurzel- und Seitentriebbildung angeregt werden. Dieser Effekt wird jedoch nur dann erreicht, wenn der Raps das Streckungswachstum noch nicht begonnen hat.

Die zweite Teilgabe sollte im Abstand von 7 – 10 Tagen erfolgen (Raps reicht oben an einen hohen Gummistiefel heran), spätestens jedoch, wenn der Raps das BBCH 51 erreicht hat. Die Zweite Maßnahme unterstützt weiterhin die Wurzelbildung zur Absicherung der Standfestigkeit und kürzt den Raps ein. Gleichzeitig wird eine Homogenisierung des Blühverlaufs und eine gleimäßigere Abreife vorbereitet.

 

Grundsätzlich sind alle zugelassenen Produkte für beide Strategien zur Bestandesführung geeignet. Die Unterschiede der Produkte liegen im Detail. Haben sich Ihre Bestände vor dem Winter oberirisch sehr gut entwickelt, haben Sie eine Sorte mit hoher Wüchsigkeit im Frühjahr  im Anbau und möchten Sie die Seitentriebbildung fördern und ihre Bestände homogenisieren, empfehlen wir die Splitting-Behandlung mit Carax® in der ersten Behandlung, da hier die besten Effekte beim Raps erzielt werden. Die zweite Gabe kann – je nach gewünschtem Hauptziel – ebenfalls mit Carax® oder einem anderen zugelassenen  Produkt erfolgen.

 
Bitte beachten Sie die regionalen Produktempfehlungen der Hersteller und der Beratung. Weit entwickelte und wüchsige Sorten  benötigen mehr Wirkungssicherheit. Die Aufwandmenge sollte sich in solchen Fällen am oberen Ende der Empfehlungsskala orientieren. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel vorsichtig. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformation lesen. Warnhinweise und Warnsymbole beachten.
 

Fazit

  1. Sofern noch nicht geschehen, bringen die die Startdüngergabe aus
  2. Beachten Sie den Entwicklungszustand des Rapses – bei starker Entwicklung sing ggf. Einsparungen bei der Düngergabe möglich.
  3. Stellen Sie Gelbschalen auf und kontrollieren Sie den Schädlingsdruck
  4. Beseitigen Sie vorhandene Restverunkrautung und Gräser

Durch gezielt angewendete Wachstumsregulatoren können Sie zum jetzigen Zeitpunkt Ihren Bestand führen und auch Lager vermindern! Prüfen Sie den Entwicklungsstand Ihres Rapses und schenken der Wurzel besonderes Augenmerk.