Raps 2015/2016 – Bestandesführung im Herbst 22.09.2015

Aussaat 2015 – Langes Aussaatzeitfenster, unterschiedlicher Feldaufgang

Im Süden und Süd-Osten Deutschlands konnte die Getreideernte früh beendet werden und die Saatbettbereitung früh begonnen werden. Die andauernde Trockenheit ließ viele Anbauer dennoch im Unklaren, ob eine Aussaat unter diesen Bedingungen überhaupt erfolgreich möglich sei. Wurde dennoch ausgedrillt, lief der Raps sehr verzettelt auf. Teilweise wurde auch zunächst auf eine Herbizidbehandlung verzichtet. Landwirte, die Clearfield®-Raps angebaut haben, waren im Vorteil: Sie konnten Ihre Herbizidapplikation in gewohnter Weise und mit gewohnter Wirkungssicherheit im Nachauflauf vornehmen.
 

Im Norden und Nord-Westen Deutschlands verzögerten Niederschläge die Getreideernte zum Teil bis in den September. Hohe Niederschläge und nasse Böden machten eine Rapsaussaat oftmals unmöglich. Auf schweren und/oder verschlämmten Böden entwickelt sich der Raps verhalten.
 

Bundesweit dürfte die Rapsanbaufläche erneut rückläufig sein und deutlich unterhalb von 1,3 Mio. Hektar liegen. Die nach wie vor hohe Nachfrage nach Raps und relativ geringe Bestände auf dem Weltmarkt, rechtfertigen die aktuellen Börsenpreise von knapp 365 €/to (Lieferung November 2015) und zur Ernte 2016 von gut 340 €/to (Lieferung August 2016). Die Preise könnten sich weiter festigen. Damit ist und bleibt der Rapsanbau hoch attraktiv für den Landwirt.

Aussaat 2015 erneut ohne insektiziden Beizschutz 

Wie auch im Herbst 2014 musste der Raps erneut ohne insektiziden Beizschutz ausgesät werden. Besonders bei den frühen Saaten und in Gebieten mit hohem Befallsdruck zeigen sich bereits wieder  deutliche Fraßschäden vor allem durch den Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala).

Lochfraß durch Rapserdfloh

Bilder:    Links: Typisches Schadbild des Rapserdflohs: Lochfraß an den jungen Rapsblättern
              Rechts: Lochfraß durch Rapserdfloh, zusätzlich Schneckenfraß

 

Sofern noch nicht geschehen, sollten Sie umgehend Gelbschalen aufstellen und nach Befallssituation Behandlungen mit zugelassenen Insektiziden durchführen, um eine weitere Schädigung des Blattes, vor Allem aber die Eiablage der adulten Käfer an der Rapswurzel zu verhindern.  Die schlüpfenden Larven könnten durch die Blattstiele zum Vegetationskegel der jungen Rapspflanze vordringen und diese schwächen. Sofern die Pflanze nicht bereits durch die Fraßschäden abstirbt, wird sie anfälliger gegenüber Sekundärinfektionen durch pilzliche Schaderreger wie z.B. Phoma lingam und zeigt eine deutlich verminderte Winterhärte.

Eine aktuelle Liste mit den zugelassenen Produkten finden sie unter:

 

https://apps2.bvl.bund.de/psm/jsp/index.jsp

 

Die allgemeine Bekämpfungsschwelle für den Rapserdfloh liegt vor dem 4-Blattstadium bei 10% zerstörter Blattfläche durch Lochfraß, ab dem 4-Blattstadium bei mehr als 50 Rapserdflöhen je Gelbschale in 3 Wochen. Zur Nützlingsschonung (Bienen!) achten Sie bitte darauf, dass die Schutzgitter Gelbschalen vorhanden und ordnungsgemäß angebracht sind.

 

Bestandesführung - Die wichtigsten Ziele im Herbst:

Kräftige Bestände vor der Vegetationsruhe etablieren

  • Ausbildung einer kräftigen Pfahlwurzel
  • Den Raps vor dem Überwachsen - und somit Auswinterung - schützen
  • Erhalt der Bestandesdichte über Winter
  • Schutz vor Krankheiten

Je optimaler jedes dieser Ziele erreicht wird, desto besser sind die Überwinterungsleistung und der Wachstumsstart des Rapses im Frühjahr. Daher gilt als Faustregel: Die Einzelpflanze des Bestandes sollte vor der Vegetationsruhe im Spätherbst mindestens 8-10 Blätter, einen Wurzelhalsdurchmesser von mindestens 10 mm und eine mindestens 10 cm tiefreichende Pfahlwurzel erreichen. Das Hypokotyl sollte nicht mit dem Streckungswachstum begonnen haben.

Aufgrund ihrer zügigen Jugendentwicklung benötigen die meist frohwüchsigen DEKALB Rapshybriden bereits im Herbst eine effektive Wachstumsregulierung. Gleichzeitig ist diese Maßnahme der erste und wichtigste Schritt für eine optimale Bestandesführung. In idealer Art und Weise werden alle Anforderungen der DEKALB Rapshybriden durch das flexibel einsetzbare Carax® (BASF SE) erfüllt:
 

  • Schützt vor Überwachsen und Auswinterung – auch Frühsaaten
  • Erhält die Bestandesdichte über Winter
  • Fördert die Wurzelbildung
     

Dabei verhindert Carax® gleichzeitig den Befall des Rapses mit Phoma-Arten und Cylindrosporiose. Auch verzettelt aufgelaufene Bestände können mit Wachstumsregulatoren wie Carax®, Tilmor®, Toprex® sowie anderen Tebuconazol- oder Metconazol-haltigen Produkten „gleichgezogen“ werden. In diesen Fällen sollte die erste Behandlung spätestens bis zum 4-Blattstadium der größten Pflanzen vorgenommen und nur 30-40 % der maximalen Aufwandmenge eingesetzt werden. Eine zweite Behandlung ist unbedingt einzuplanen.

Die Aufwandmenge von Carax® liegt im Normalfall zwischen 0,5 und 1,0 l/ha je Applikation. Sie kann flexibel an die auf Ihrem Acker herrschende Situation angepasst werden.  Beachten Sie hierzu die regionalen Empfehlungen des Herstellers.

Pauschal kann festgehalten werden:
 

Gering wüchsige Sorten oder wenig wüchsige (Folge-) Witterung: 0,5 – 0,7 l Carax® je ha
Stark wüchsige Sorten und / oder wüchsige (Folge-) Witterung:     0,7 – 1,0 l Carax® je ha


Bei Bedarf können diese Anwendungen bis zu einer maximal zulässigen Aufwandmenge von 1,4 l/ha wiederholt/gesplittet werden. Hervorzuheben ist die schnelle Aufnahme von Carax® unabhängig von Witterungsbedingungen und Bodenfeuchte, sowie die hohe Regenfestigkeit. Auch diese Eigenschaften tragen zu einer flexiblen Anwendung mit hoher Wirkungssicherheit selbst bei unsicherer Witterung bei.  

Oftmals ist die Behandlung mit Wachstumsregulatoren mit anderen Pflanzenschutzmaßnahmen wie Ungrasbekämpfung, Spurennährstoffgabe oder Insektizidapplikation kombinierbar. Bitte beachten Sie immer die Empfehlungen und Tankmischungsfreigaben der Pflanzenschutzmittelhersteller.

Wie können sehr wüchsige Rapsbeständen geführt werden?

Wir empfehlen ein Splitting der Wachstumsregler-Applikation. 1. Gabe zum 3 - 4-Blatt-Stadium des Rapses mit ca. 30 – 40% der zugelassenen Aufwandmenge gefolgt von einer 2. Applikation zum 6-8-Blatt-Stadium des Rapses (7 - 10 Tage später) mit 50 – 60% der zugelassenen Aufwandmenge. Bitte beachten Sie die maximal zulässigen Aufwandmengen der Pflanzenschutzmittel. Wird eine Einmalbehandlung durchgeführt, sollte diese zum 4 - 6-Blattstadium des Rapses erfolgen. Die Aufwandmenge der Pflanzenschutzmittel sollte um ca. 20 – 30% im Vergleich zu den Standardempfehlungen erhöht werden. Auf Standorten mit hoher N-Nachlieferung (Vorfrucht, Gülle, etc.) sollte generell ein Splitting mit erhöhten Aufwandmengen durchgeführt werden. Auch Bestände mit sehr hohen Pflanzendichten (> 50 Pflanzen/m²) sollen frühzeitig im Splitting behandelt werden.

Wurden wüchsige Sorten sehr früh auf Standorten mit hoher N-Nachlieferung gesät, können die Wachstumsregulatoren nicht immer eine ausreichende Wirkung erzielen.

Wie können schwach entwickelte Rapsbeständen geführt werden?

Bei schwachem Raps, langsamer Herbstentwicklung und geringer Nährstoffverfügbarkeit ist in der Regel eine Einmalbehandlung zum 6-Blattstadium des Rapses zu empfehlen. Die Aufwandmenge des Pflanzenschutzmittels sollte überprüft und ggf. um 20 – 25% gegenüber der Standard-Anwendung reduziert werden. Standorte mit hoher N-Nachlieferung müssen genau beobachtet werden und ggf. Nachbehandelt werden.

Bei sehr schwach entwickelten Beständen auf sehr trockenen Standorten kann ggf. auf eine Behandlung verzichtet werden. Bitte sprechen Sie in diesen Fällen auf jeden Fall Ihren Berater an.

Was ist nach der Rapsaussaat zu beachten – Fazit

  • Kontrollieren Sie Ihre Rapsbestände bereits ab dem Auflaufen auf den Befall mit  Rapserdfloh (und Kleiner Kohlfliege)
  • Stellen Sie ausreichend Gelbschalen auf und kontrollieren Sie diese
  • Insektizidbehandlungen nur durchführen, wenn die  spezifische Schadschwelle überschritten ist bzw. nach Warndienstaufruf – verwenden Sie nur zugelassene Produkte
  • Kontrollieren Sie den Wuchs des Rapses wiederholt und setzen Wachstumsregulatoren / Fungizide termingerecht und in ausreichend wirksamen Dosen ein
  • Insektizid- und Wachstumsregulator-Maßnahmen bei Bedarf wiederholen
  • Achten Sie auf den Befall mit Schnecken und streuen ggf. Schneckenkorn
  • Schalten Sie die evtl. vorhandene Restverunkrautung oder Verungrasung frühzeitig aus
  • Achten Sie auf eine ausreichende und ausgeglichene Nährstoffversorgung

Wir wünschen Ihnen ein gutes Gelingen Ihres Rapses!


Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DEKALB-Team