Frühlingsbeginn: Fungizid- und Insektizidapplikation im Winterraps 29.03.2019

Die sehr wechselhafte Witterung in den letzten beiden Wochen hat den Rapsbeständen in vielen Regionen reichlich Niederschläge beschert. Die Ende Februar /Anfang März ausgebrachten Düngergaben sind ausreichend angelöst und stehen den Pflanzen sichtbar zur Verfügung. In Kombination mit dem aktuellen Temperaturanstieg ist von einem intensiven Wachstum der Rapsbestände auszugehen. Weitere Maßnahmen zur Bestandesführung im Winterraps stehen also unmittelbar bevor.

 

Überraschend gut entwickelt präsentieren sich viele Rapsbestände derzeit. „Der milde Winter hat insbesondere den Beständen geholfen, welche aufgrund der Trockenheit bei der Aussaat lange auf der Kippe standen. Gerade die spät aufgelaufenen Pflanzen konnten einen Teil ihres Entwicklungsrückstands aufholen und kräftige Wurzeln ausbilden, sodass die zunächst befürchteten Umbrüche nach Winter geringer ausfallen werden als im Herbst erwartet. “ erläutert Kai Färber (Beratungsmanager in Kurhessen, Thüringen & Sachsen)

Vergleichssort

Der frühe Vegetationsbeginn im Februar hat in vielen Beständen zu einem zeitigen Schossbeginn geführt. Insbesondere in warmen Lagen (z.B. das Rheinland) und bei Sorten mit einem frühen Wachstumsbeginn nach Winter (z.B. DK Exlibris & DK Expansion) haben die Pflanzen bereits eine Sprosslänge von 30cm und mehr erreicht, sodass eine Wachstumsreglermaßnahme bei Befahrbarkeit der Flächen unmittelbar bevorstehen.

„In diesem Jahr sollte man die Rapsbestände unbedingt zeitig und ausreichend einkürzen.“  rät Dr. Manfred Rambow (Beratungsmanager in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) „Bei der Produktwahl sollte auf eine gute Verträglichkeit geachtet werden. Versuche zeigen, dass eine zu starke Einkürzung zwar vor Lager schützt aber auch negative Ertragseffekte haben. Wir empfehlen deshalb Tilmor® als Fungizid bzw. Wachstumsregler im Frühjahr, das Produkt hat sich besonders aufgrund der guten Verträglichkeit in der Praxis bewährt.“ Eine wichtige Zielsetzung der Timor®-Maßnahme im Frühjahr ist demzufolge neben dem wirkungsvollen Schutz vor Phomainfektionen die Absicherung der Standfestigkeit sowie die Förderung der Seitentriebentwicklung. Gerade das Phänomen der Physiologischen Knospenwelke hat im letzten Jahr gezeigt, wie wichtig gut entwickelte Nebentriebe für die Ertragsbildung des Rapsbestandes sind. Applikationen sind bei wüchsiger Witterung nach Beginn des Längenwachstums bei einer Wuchshöhe von ca. 25 cm durchzuführen. Bei der Wahl ihrer Aufwandmenge sollten die Anfälligkeit der Sorte für Lager und Phoma, die Stickstoffnachlieferung sowie die Wasserversorgung und Bestandesdichte berücksichtigt werden.

 
 

 

 

 

 

 

„Mit den ansteigenden Temperaturen muss auch mit Rapsglanzkäferzuflügen gerechnet werden“ warnt Andreas Lagemann-Kohnhorst (Beratungsmanager im Rheinland & Westfalen). Um einen größeren Schaden an den junden Knospen zu verhindern, sollten die Rapsbestände ab erreichen des Knospenstadium (BBCH 51) fortan regelmäßig auf einen etwaigen Rapsglanzkäferbefall kontrolliert werden. Hierzu sollte der Haupttrieb der Rapspflanzen in ein Gefäß ausgeklopft und die Anzahl der Käfer ausgezählt werden. Um ein repräsentatives Bild der Befallssituation zu bekommen, sollten dabei mehrere über den gesamten Schlag verteilte Auszählungen vorgenommen werden.  Weiterhin empfiehlt sich die Befallsermittlung vormittags in einem abgetrockneten Bestand durchzuführen. Erst bei Überschreiten der Bekämpfungsrichtwerte ist eine Bekämpfungsmaßnahme vorzunehmen.

 

Bekämpfungsrichtwerte Rapsglanzkäfer im Knospenstadium:

 

Ab BBCH 51

Ab BBCH 55

Schwacher Rapsbestand

4 Käper pro Pflanze

5 Käfer pro Pflanze

Kräftiger Rapsbestand

8 Käfer pro Pflanze

10 Käfer pro Pflanze

 

Neben den Bekämpfungsrichtwerten ist auch unbedingt die Bieneneinstufung zu beachten. Sowohl bei ersten blühenden Rapspflanzen als auch bei ersten blühenden Unkräutern im Bestand sind nur bienenungefährliche Produkte (B4) einzusetzen. Weiterhin sollte auf eine ausreichend hohe Wasseraufwandmenge beim Insektizideinsatz geachtet und auch bei bienenungefährlichen Tankmischungen eine Applikation in den Abendstunden bevorzugt werden.

Besonders geeignet zur Bekämpfung der Rapsglanzkäfer im Raps ist das Produkt Biscaya® (Wirkstoff Thiacloprid), welches nicht nur als B4 – also nicht bienengefährlich – eingestuft ist, sondern auch über eine gute Dauerwirkungen bei höheren Temperaturen verfügt.  Weiterhin darf das Produkt gemäß Zulassung 2x pro Saison zum Einsatz kommen.

 
 

Unsere Empfehlung zur Bekämpfung von Rapsglanzkäfern:  0,3l/ha Biscaya®                  (bei Überschreiten des Bekämpfungsrichtwertes)

 

 

 

 

Hinweis zu Tankmischungen bestehend aus Biscaya® und Wachstumsreglern bei ersten offenen Blüten:

Beachtet werden sollte unbedingt die neue Auflagensituation bei dem Insektizid Biscaya®. Wird der Bestand von Bienen beflogen (blühende Unkräuter oder erste offene Rapsblüten), ist von Tankmischungen bestehend aus Biscaya® und azolhaltigen Wachstumsreglern abzusehen, da diese Tankmischungen neuerdings als B1 eingestuft sind (NB6613). Solo, in Mischung mit Fungiziden, welche das Azol Prothioconazol enthalten und über die Auflage NB6645 verfügen (z.B. das Bayer Blütenfungizid Propulse®), sowie mit azolfreien Fungiziden bleibt Biscaya® weiterhin B4.

 

>> Weitere Produktinformationen zu Pflanzenschutzmitteln von Bayer finden Sie unter: www.agrar.bayer.de  Bei Beratungsfragen kontaktieren Sie das kostenlose AgrarTelefon 0800-2202209

Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen. Warnhinweise und –symbole beachten.